Freiwillige Feuerwehr Orlamünde
 



 

Das Jahr 2009 ein besonderes Jahr für die Feuerwehr

Die reifere Jugend von Orlamünde wird sich vielleicht noch an die Festivitäten anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Orlamünde erinnern, an die Wimpel geschmückten Straßen, an den Festumzug und an die Vorführungen auf dem Markt.

Eine rechte Volksfeststimmung begeisterte damals die Gäste. Das war vor 25 Jahren, im Jahre 1984. Heute schreiben wir das Jahr 2009, und wieder soll ein solches Fest in würdiger Form begangen werden: Die Feuerwehr Orlamünde feiert ihren 125-jährigen Geburtstag.

Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren, denn Mitte Juni wollen die Wehrleute zusammen mit einigen Gastwehren und der Bevölkerung von Orlamünde dieses Jubiläum in einer angemessenen Weise begehen.

Zur Einstimmung auf das Fest sollen einige Artikel in dieser Zeitung sowoh1 über die Historie als auch über das aktuelle Geschehen in der Feuerwehr informieren. Heute - wie sollte es auch anders sein - beginnen wir mit den Geschehnissen um das Jahr 1884, dem Gründungsjahr der Feuerwehr Orlamünde.

Die Situation um 1884

Natürlich gab es vor 1884 schon eine Feuerwehr. Es war aber keine freiwillige Feuerwehr, sondern es war die Städtische Feuerwehr, eine Pflichtfeuerwehr, in der alle männlichen Bewohner ab dem 18. Lebensjahr ihren Dienst zu leisten hatten.

So schrieb es die Feuerlöschordnung von 1877 vor. Überbaut war alles in dieser Feuerlöschordnung ordentlich geregelt, so glaubte es die Obrigkeit jedenfalls. Da gab es die Einreißrotte, die hauptsachlich aus Maurergesellen und Zimmerleuten bestand. Wer aufbaut, kann auch einreißen, dieser Logik kann sich keiner entziehen.

Zahlenmäßig stark präsentierte sich die Spritzenrotte, die aus vier Unterrotten bestand. Im oberen Ortsteil stellten der Markt und der Untermarkt (jetzt Burgstraße) jeweils eine Rotte. In Naschhausen gehörten die verpflichteten Personen der Obergasse (jetzt Rudolstädter Straße) und des Mittelkreises der einen, die des übrigen Ortsteils der anderen Rotte an.

Diese Rotten übernahmen die Brandbekämpfung und bedienten vor allem die Spritzen. Wenn man bedenkt, dass sich in dieser Zeit die ,,Dämpfung des Brandes" über viele Stunden hinzog, dann war eine zahlenmäßig starke Löschmannschaft von Nöten, denn es wollten ja auch die Handdruckspritzen über diesen langen Zeitraum bedient werden.

Das war oft ein bedeutendes Problem, denn zu Beginn der Löscharbeiten waren die Mannschaften noch mit viel Elan bei der Sache, doch mit zunehmender Dauer ließ auch der Wille nach, sich für die zweifellos schwere Tätigkeit an den Spritzen zur Verfügung zu stellen.

Die Hydrantenrotte hatte die eiserne Wasserleitung für die Brandhilfe nutzbar zu machen. Sie stand unter der Leitung des städtischen Wassermeisters und musste mit den Einrichtungen der
Wasserwerke, der Hydranten, des Rohrnetzes und der Sammelbassins genau vertraut sein.

 Schließlich existierte noch die Reserverotte, die sich aus Turnern und Handwerksgesellen rekrutierte. Ihr oblagen wichtige Aufgaben, wie die Rettung von Menschen oder die Bergung von Einrichtungsgegenständen.

Aber auch ganz profane Tätigkeiten, wie das Beaufsichtigen des geretteten Mobiliars und die Absperrung der Brandstätte, wurden durch diese Rotte wahrgenommen. Da hat sich wohl auch allerlei Gesindel in der Nähe des Brandortes herumgetrieben.

Nehmen wir doch einmal an, ein Brand bricht aus und es läuft alles so ab, wie in der Feuerlöschordnung von 1877 vorgesehen. Wie lange wird es wohl dauern, bis der erste Löschstrahl auf den Brandherd auftrifft?

  1. Der Brand wird bemerkt. Derjenige (oder Diejenige) rennt zum Bürgermeister und macht Meldung. 
    4 Minuten
  2. Der Bürgermeister lässt die Glockenlauter informieren, damit sie mittels Glockengelaut die Städtische Feuerwehr und die Bevölkerung alarmieren.  
    4 Minuten
  3. Die Glockenlauter begeben sich mit beschleunigtem Schritt zur Kirche, erklimmen den Turm und ,,stürmen" mit den Glocken.  5 Minuten
  4. Daraufhin versammeln sich die einzelnen Rotten vor den Wohnungen (!!) ihrer Rottenführer.  
    5 Minuten
  5. Die Reserverotte begibt sich zum Brandort, Die Spritzenrotten und die Einreißrotte laufen zum Schuppen für Feuerlöschgeräte (stand im oberen Ortsteil oberhalb des Marktes).  
    4 Minuten
  6. Dort angekommen, nimmt die Einreißrotte Gerätschaften wie Leitern und Einreißhaken auf und transportiert diese zum Brandort. Die Spritzenrotten übernehmen Spritze, Schlauchmaterial und Strahlrohre und begeben sich zu der Saugstelle bzw. zu einem Hydrant.  
    5 Minuten
  7. Dort bringen sie die Spritze in Stellung, installieren die Saugleitung zwischen Spritze und Wasserentnahmestelle und verlegen die Schlauchleitung (die gab damals es schon) Richtung Brandobjekt.  
    6 Minuten
  8. Die Mannschaften befüllen zum Zwecke des Ansaugens Saugschlauch und Pumpe mit Wasser.  
    4 Minuten
  9. Die Pumpen werden betätigt und befüllen die Druckschläuche.  
    2 Minuten

     39 Minuten

Man will es nicht so recht glauben, aber erst 39 Minuten nach Ausbruch des Brandes trifft der erste Löschstrahl auf den Brandherd.

Bei dieser Aufstellung ist noch nicht berücksichtigt, wie lange sich der Brand bis zu seinem Bemerken entwickeln konnte. Außerdem wurde hier von einem optimalen Ablauf ausgegangen. Was wäre z.B., wenn der Bürgermeister nicht erreichbar gewesen wäre, oder die Glockenlauter oder die Rottenführer oder ...?

Allerdings ist nicht belegt, ob alles so vorschriftsmäßig abgelaufen ist.
Die Zeit verging und der Chronist schrieb das Jahr 1884. Der Frühling weckte die Natur aus dem Winterschlaf und die Maiensonne wärmte die Seelen der Orlamünder.

Doch in den Vormittagsstunden des 18. Mai rissen die Feuerglocken die Einwohner aus ihrer Idylle. Neben dem Rathause loderten die Flammen, nun musste die Städtische Feuerwehr ihr Können unter Beweis stellen.

Aber alles schien bei diesem Brande doch nicht so optimal gelaufen zu sein, denn im Protokollbuch der Freiwilligen Turner-Feuerwehr wird später zu lesen sein: ,, wobei sich verschiedene Mängel der Feuerlöschordnung fühlbar machten."

Besonders fühlbar machten sich die Mängel bei den Geschädigten, denn das Feuer vernichtete drei Gehöfte vollständig, vier Anwesen wurden zum Teil stark geschädigt.

An welchen Stellen die Säge geklemmt hat, ist nicht vermerkt. Zwei Aktivitäten sind jedoch zu vermelden:

  1. Der wohllöbliche Rat bewilligte einige dem Zwecke entsprechende Feuerlöschrequisiten.
  2. Der Spritzenmeister K. Hartmann und der Schlauchführer E. Pfister stellten den wohllöblichen Rat, insbesondere dem Bürgermeister, anheim, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.

Damit gab der Brand vom 18. Mai 1884 den Anstoß zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Orlamünde.